Aposelemis-Schlucht auf Kreta

Wanderung durch den ausgetrockneten Flusslauf im Norden der Insel

Aposelemis-Schlucht auf Kreta

Samaria, Patsos, Kritsa und viele andere - Auf Kreta gibt es unzählige Schluchten, die Wasserläufe aus den hohen Bergen seit langer Zeit in das Gestein gefressen haben. Schon vor unserer Anreise stand für mich fest, dass ich unbedingt die Aposelemis-Schlucht in der Nähe unseres Urlaubsortes Hersonissos durchwandern möchte.

Ich begann mit der Routenplanung bei Komoot, inklusive möglicher Ein- und Ausstiegspunkte der Schlucht. Hilfreich war dabei der Tracklog einer geführten Tour, den eine Komoot-Userin hochgeladen hatte. Ein bisschen Kraxelei über Felsbrocken war zu erwarten, und obwohl ich die Tour nicht als gefährlich einschätzte, habe ich mich letztlich aus Sicherheitsgründen gegen ein Alleine-Durchwandern entschieden. Bei Tripadvisor berichteten die Leute über gute Erfahrungen mit dem Ausflugsanbieter Eye Travel, so buchte ich eine geführte Wanderung durch die Aposelemis-Schlucht, was sich als richtige Entscheidung und rundum gelungene Erfahrung herausstellte.

Die Aposelemis-Schlucht ist ein offiziell ausgewiesener Wanderweg. Die Auswirkung dieser Tatsache beschränkt sich im Wesentlichen auf das Aufhängen zweier Hinweisschilder und Holzbänke sowie einer gezimmerten und dem Lauf der Zeit überlassenen Toilettenkabine am Anfang und Ende. Was gut ist, denn die Landschaft und Natur in der Schlucht ist unangetastet und fabelhaft schön.

Nach der Abholung durch den Eye-Travel Minivan vom Hotel geht es nach 20-minütiger Fahrt in das Bergdorf Kalo Chorio. Wir verteilen uns auf zwei Gruppen zu je neun Leuten und beginnen als die ersten unter Führung von Jessica den Abstieg über einen Schotterweg hinunter in die Schlucht.

Von Kalo Chorio in die Schlucht

Wir sind im Mai unterwegs und das Wetter ist auch für diese Jahreszeit mild und nicht zu warm. Die Sonne brennt dennoch ordentlich, ich kann mir gut vorstellen, dass im Juli oder August auf Kreta die Felsenschluchten ohne Luftzug die Hitze speichern und das Wandern dort herausfordernd werden kann.

Kreta ist seit 8.000 Jahren nachweislich besiedelt, hier gibt es mit den architektonischen Hinterlassenschaften der Minoern die frühesten noch sichtbaren Spuren der ersten Hochkultur in Europa. Beim Gehen versuche ich mir vorzustellen, welche Leistung es vor tausenden von Jahren gewesen sein muss, auf der riesigen und gebirgig-schroffen Insel ohne grossartige Hilfsmittel seinen Erledigungen nachzugehen.

Hinweisschild am Beginn des Schluchten-Wanderwegs

Am Rand des Weges gibt es wunderbar intensiv duftende Wildkräuter - Mönchspfeffer, Salbei und Thymian.

Auf diesem Bild verstecken sich Bergziegen

Bergziegen fühlen sich hier offenbar zuhause und sind optisch gut an die Umgebung angepasst. Unten im ausgetrockneten Flusslauf haben wir manchmal blanke Knochen und Schädel toter Ziegen gefunden. Oben im Dorf ist es üblich, diese Schädel an Zäunen und Hofeinfahrten zu befestigen. Warum auch immer.

Üppige Vegetation in der Aposelemis-Schlucht

Über der Schlucht kreisten Falken, die eine elegante und effiziente Flugtechnik beherrschen. Selten ist ein Flügelschlag nötig, wie Segelflugzeuge gleiten die enormen Vögel und nutzen thermische Aufwinde aus, um sich kreisend nach oben zu schrauben. In der Felswand oben auf dem Bild konnten wir ein Falkennest entdecken und beobachten.

Vor allem auf dem letzten Drittel der Schlucht galt es immer wieder über große Felsbrocken zu steigen. Feste Schuhe vorausgesetzt, war das weder gefährlich noch besonders anstrengend, man musste aber sehr konzentriert auf die nächsten Schritte sein und sich seinen Weg suchen. Ich kann diese Tour allen empfehlen, die Spaß an der Natur und am Wandern haben, und zufällig im zentralen Norden von Kreta sind.

Nach Ende der Wanderung und Abholung durch den Minivan folgt noch ein obligatorisches greek lunch mit Hackfleischbällchen, Ofenkartoffeln, Salat und Knoblauchbrot in einer Taverne (die natürlich "Zorbas" heisst) bei Analipsi. Lecker und natürlich eine willkommene Stärkung.

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